Stadt Löhne

Das Projekt

Das Rathaus der Stadt Löhne wurde in 2 Abschnitten erbaut. Der erste Bauabschnitt wurde 1968 fertiggestellt, der 2. Bauabschnitt 1977.

Das Löhner Rathaus befindet sich seit Jahren in einem sanierungsbedürftigen Zustand. Teile des Daches sind durchfeuchtet, Fensterrahmen sind defekt und von der vorgehängten Fassade lösen sich Platten, sodass die unmittelbare Umgebung sogar durch Errichtung eines Bauzaunes abgesichert werden musste. Darüber hinaus genügt die Gebäudehülle bei Weitem nicht mehr heutigen energetischen Anforderungen. Der Barwert der hochgerechneten Heizenergiekosteneinsparung erreicht mit 2 Millionen Euro ca. 60 % der geschätzten Sanierungskosten und signalisiert erhebliche ökologische und ökonomische Einsparpotentiale bei gleichzeitiger Verbesserung der Komfort- und Arbeitsbedingungen. Im Gebäudeinneren fordert der Brandschutz Sanierungsmaßnahmen, während ein hoher Stromverbrauch Sparpotentiale im Geräte- und Beleuchtungsbereich signalisiert. Die Heizkörper und die Wärmeverteilung des Gebäudes stehen ebenfalls am Ende ihres Lebenszyklus und müssen erneuert werden.

Ziel des Gesamtvorhabens ist es, das Rathaus Löhne mit Hilfe der Passivhaustechnologie vorbildlich und zukunftsfähig zu sanieren. Dabei wird angestrebt, den Energieverbrauch nachhaltig zu senken.
Mit dem geplanten Modellvorhaben wird eines der ersten Rathäuser in Deutschland mit Effizienzmaßnahmen auf Passivhausniveau saniert. Neben den energetisch-ökologischen Anforderungen wird dabei gleichzeitig ökonomisch-sozialen Anforderungen Rechnung getragen, sodass das Vorhaben Modellcharakter für eine breite Umsetzung und Multiplizierbarkeit gewinnt. Rathäusern kommt auf Grund ihrer besonderen Sichtbarkeit hierbei eine besondere Bedeutung zu. Sie stehen im Mittelpunkt des kommunalen Lebens und werden von Bürgern, Medien und der Wirtschaftswelt in besonderer Weise wahrgenommen.

Vor diesem Hintergrund stellte das Amt für Immobilienwirtschaft der Stadt Löhne seit 2007/2008 konzeptionelle Überlegungen zur Rathaussanierung an und zog im Dezember 2008 das Büro Dr. Bernd Steinmüller Sustainability Management Consulting BSMC (www.bsmc.de) hinzu, um dem Rat der Stadt ein überzeugendes und nachhaltiges Konzept zu präsentieren. Das Grundkonzept wurde dem Rat am 24.6.2009 in einer ersten Verfeinerungsstufe vorgestellt und der Vorschlag einer Sanierung mit Passivhaustechnologie angenommen. Im Grundkonzept wurden mit dem Passivhaus-projektierungspaket (PHPP) die wesentlichen Gebäudeenergiebilanzen erstellt und bewertet.

Der Gebäudehülle kommt als langlebigster Komponente und dem mit ihr eng verbundenen Heizwärmeverbrauch eine besondere Bedeutung zu. Da Klimaschutzziele in den Industrieländern langfristig eine 80 bis 95% Verringerung der Treibhausgasemissionen fordern, ist es Ziel des Vorhabens, die Gebäudehülle mit modernsten Methoden der Passivhaustechnologie so zu ertüchtigen, dass in Kombination mit einer effizienten Lüftung der Heizwärmebedarf um einen Faktor 10 sinkt. Damit wird der Heizenergieverbrauch größenordnungsmäßig auf das Niveau eines Passivhausneubaus gebracht.
Darüber hinaus sollen auch die Komponenten mit einem kürzeren Lebenszyklus, wie z.B. Beleuchtungskörper schrittweise durch energieeffiziente Komponenten ersetzt und der Stromverbrauch maßgeblich reduziert werden.
Neben den energetisch-ökologischen Anforderungen soll gleichzeitig den ökonomischen und sozialen Anforderungsdimensionen in vorbildlicher Weise Rechnung getragen werden, sodass das Vorhaben Modellcharakter für eine breite Umsetzung und Multiplizierbarkeit gewinnt.
Die errechnete CO2-Emissionsminderung gegenüber dem Istzustand liegt bei ca. 55.600 kg/a. Das entspricht ca. 74 %.
Die CO2 Reduzierung gegenüber dem Nutzenergiebedarf beträgt ca.142 t/a. Das entspricht ca. 78 %.

Die Sanierung des Rathauses in Löhne ist mit einer Gesamtbausumme von 3,3 Mio. € kalkuliert.

(Quelle: Die Textpassagen sind Auszüge aus der Vorhabenbeschreibung zum Antrag auf Gewährung einer Bundesförderung vom 25. November 2010; Autoren: Immobilienwirtschaft der Stadt Löhne, Dr. Bernd Steinmüller, BSMC Paderborn)

Förderung vom Bund:

Das Projekt wird durch die Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt und Reaktorsicherheit mit insgesamt 1.821.496 € gefördert.
http://www.bmu.de/klimaschutzinitiative/

     

Förderung durch das Land NRW:

Auch das Land NRW fördert das Projekt aus Mitteln des Förderprogramms „progres“ (Programm für rationelle Energieverwendung, regenerative Energien und Energiesparen) mit 132.000 €.

 

LOGO MInisterium                              Progres

Passivhaus was ist das?

Passivhäuser zeichnen sich dadurch aus, dass sie bestimmte Kriterien in Hinblick auf ihre Bauweise erfüllen. Durch moderne und effiziente Wärmedämmung wird erreicht, dass das Gebäude ohne aktives Heizsystem im Winter auskommt. Noch vorhandene Wärmeverluste werden durch Wärmegewinne kompensiert. Die besondere Herausforderung in der Umsetzung des Passivhausstandards liegt derzeit im Gebäudebestand. Durch die ganzheitliche Betrachtung von Wärmeverlust, Wärmegewinn und die Stromverwendung wird erreicht, dass sich zu jeder Jahreszeit ein optimales Wohnklima im Gebäudeinneren einstellt. Durch eine konsequente Planung der Gebäudehülle unter Berücksichtigung aller bauphysikalischen Zusammenhänge und dem Einsatz effizienter Technologien ist bereits heute das Passivhaus wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll.
Ein weiteres Merkmal von Passivhäusern ist, dass der Jahresheizwärmebedarf kleiner als 15 kWh/m²a ist. Das entspricht weniger als 1,5 Liter Heizöl für die Beheizung eines Quadratmeters Wohnfläche in einem Jahr.

Weitere Informationen erhalten sie bei:

Passivhaus Institut

http://www.passiv.de/

Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung und Bauwesen des Landes NRW

http://www.ils-forschung.de

Broschüre des ILS NRW 'Leben im Passivhaus' [PDF: 3 MB]

 

Bild vom Rathaus Löhne Anfang der 1970er Jahre
Das Löhner Rathaus Anfang der 1970er Jahre (Ansicht Ost/Süd Fassade). Der 2. Bauabschnitt ist noch nicht realisiert. (Quelle: Stadtarchiv Löhne)

 

Bild der Westfassdenseite Rathaus Löhne 2009
Westfassade des Rathauses im Oktober 2008

 

Das Bild zeigt eine Thermografieaufnahme der Westfassade aus dem Jahr 2009
Thermografieaufnahme aus dem Jahr 2009.(Quelle: Bienergy GmbH, Bielefeld)