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Starkregen

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Starkregen - was heißt das? 

Von Starkregen spricht man, wenn es in kurzer Zeit intensiv regnet. Starkregen können überall auftreten und sind meist lokal begrenzt. Dennoch können sie zu schnell ansteigenden Wasserständen und Überschwemmungen führen, da die kurzfristig entstehenden Wassermengen nicht in der Erdoberfläche versickern oder von den Kanälen aufgenommen werden können. Das Wasser fließt dann oberflächlich ab – auch dort wo sich üblicherweise keine Gewässer befinden – und kann große Schäden anrichten.

Diese heftigen, wolkenbruchartigen Regenfälle treten vor allem in den Sommermonaten auf. Einfluss auf die Wolkenbildung hat die Temperatur der Luft. Je höher diese ist, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Beim Zusammentreffen mit kalter Luft kondensiert die Feuchtigkeit schlagartig und ergießt sich auf die Erde. Daher sind solche unwetterartigen Regenfälle nur schwer vorherzusagen und die Möglichkeiten zur Vorwarnung eingeschränkt.

Aktuelle Prognosen (bspw. Sechster Sachstandsbericht des IPCC (Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen) aus den Jahren 2021/22) prognostizieren, dass die Häufigkeit und Intensität von Wetterextremen wie Starkregen zunehmen werden. Daher ist eine Anpassung an diese Ereignisse erforderlich.

Wie geht die Stadt Löhne mit der Thematik Starkregen um?

Die Stadt Löhne hat im Jahr 2020 das Büro Bockermann Fritze IngenieurConsult GmbH mit der Durchführung einer starkregenbezogenen Gefährdungs- und Risikoanalyse sowie der Aufstellung eines kommunalen Handlungskonzepts für die gesamte Stadt Löhne beauftragt.

Im Rahmen dieses Prozesses wurden mithilfe einer computergestützten Modellierung die oberflächigen Überflutungsvorgänge bei definierten Starkregenszenarien simuliert und dargestellt. Entsprechend der NRW-Arbeitshilfe „Kommunales Starkregenrisikomanagement“ wurden dabei zwei unterschiedliche Szenarien verwendet:

  1. Außergewöhnliches Szenario: ein außergewöhnliches, regional differenziertes Regenereignis von einer Stunde Dauer (für Löhne etwa 45 mm in einer Stunde (≙ 45 Liter auf einen Quadratmeter), was statistisch gesehen alle 100 Jahre auftritt, das zu einem außergewöhnlichen Oberflächenabflussereignis führt
  2. Extremes Szenario: ein extremes Regenereignis mit einer Regenmenge von 90 mm in einer Stunde(≙ 90 Liter auf einen Quadratmeter), das zu einem extremen Oberflächenabfluss führt

Ergebnis dieses Prozesses sind Starkregengefahrenkarten, welche die zu erwartende Überflutungsausdehnung und die maximalen Überflutungstiefen aufzeigen, die in den Szenarien an der jeweiligen Stelle zu erwarten sind. Darüber hinaus werden in separaten Karten gesondert auch noch die Fließrichtungen und -geschwindigkeiten des Abflusses aufgezeigt [derzeit noch nicht digital abrufbar].

Die Kanalisation wird in einer solchen computergestützten Modellierung für ein Starkregenereignis übrigens nicht berücksichtigt. Dies liegt daran, dass die Regenmengen, die bei einem Starkregen entstehen, oberhalb der Bemessungsgrenzen der Siedlungsentwässerung liegen. Die Abflussmengen sind dementsprechend so hoch, dass die Kanalisation für die Abflussaufnahme keine maßgebliche Rolle spielt und daher vernachlässigt wird.

Abgrenzung von Starkregen zu Flusshochwasser

Schäden durch Hochwasser entstehen in Einzugsgebieten von Flüssen durch die Ausuferung von Oberflächengewässern. Die Überflutung breitet sich dabei ausgehend vom Gewässerlauf in die angrenzenden Bereiche aus.

Überflutungen durch Starkregen finden dagegen insbesondere auf der Geländeoberfläche, in Gräben und Mulden und in kleineren Gewässern statt. Der Regen folgt, nachdem er auf der Oberfläche aufgetroffen ist, dem natürlichen Gefälle bis zu einem Fluss oder Bach. Dadurch steigt der Pegel in dem Gewässer, wodurch wiederrum ein Hochwasser erzeugt werden kann.

Überflutungen durch Starkregen und Hochwasser können demnach in einem Zusammenhang stehen. Die Auswirkungen eines Hochwassers spüren überwiegend nur Bewohner*innen im Einzugsbereich eines oberirdischen Gewässers – von Starkregen kann jedoch jede*r betroffen sein. Dementsprechend sind die Starkregengefahrenkarten nicht auf Gebiete in Gewässernähe beschränkt.

Auch für die Überflutungen aus Gewässern werden durch die Bezirksregierungen Gefahrenkarten erstellt und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Die Hochwassergefahrenkarten (für das in Löhne relevante Teileinzugsgebiet der Weser) können Sie hier einsehen.

Starkregengefahrenkarten helfen bei der individuellen Risikoeinschätzung

Potentiell ist jede*r durch Starkregen gefährdet, da Starkregenereignisse nicht räumlich begrenzt sind. Dennoch beeinflusst die örtliche Topographie das Risiko: Standorte in Senken sind beispielsweise mehr gefährdet, da die Wassermassen sich hier sammeln. Die Gefährdung hängt jedoch nicht nur von der Lage eines Hauses, sondern auch von dem Gebäude selbst ab. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, das Schadensrisiko im Haus zu minimieren. Die Starkregengefahrenkarten geben Eigentümer*innen und Betroffenen die Möglichkeit, die Risiken für ihr Eigentum einzuschätzen und Maßnahmen zum Schutz zu ergreifen.

Auch für die Stadt Löhne dienen die Starkregengefahrenkarten zukünftig als Planungsgrundlage für alle städtebaulichen Planungen.

Starkregengefahrenkarten einsehen

Die Starkregengefahrenkarten können über das Geoportal das Kreises Herford von der Öffentlichkeit eingesehen werden. Sie gelangen hier zum Geoportal.

Anleitung zur Benutzung des Geoportal mit dem Themenbereich Starkregen

  • Um ein bestimmtes Grundstück anzusehen, können Sie entweder in die Karte hereinzoomen oder in die Suchleiste oben rechts die gewünschte Adresse eingeben. Ein Klick auf die Lupe befördert Sie zu ihrer gewünschten Position.
  • Für Löhne stehen die zwei vorab beschriebenen Starkregen-Szenarien zur Auswahl. Voreingestellt ist das außergewöhnliche, 100-jährliche Szenario.
  • Falls Sie die Ergebnisse des extremen Szenarios einsehen möchten, gehen Sie wie folgt vor:
  1. Klicken Sie oben links auf den Reiter „Themen“.
  2. Klicken Sie im aufgeklappten Menü auf den Punkt „Fachdaten“.
  3. Wählen Sie dort „Umwelt & Klima“ aus.
  4. Dort finden Sie den Punkt „Starkregen“.
  5. Zur Auswahl stehen dort „Starkrege Löhne (100-jährliches Ereignis)“ und Starkregen Löhne (Extremereignis)“. Setzen Sie den Haken in das Kästchen vor „Starkregen Löhne (Extremereignis)“ und nehmen Sie den Haken am darüberstehenden „Starkregen Löhne (100-jährliches Ereignis)“ heraus.
  • Die Legende erreichen Sie über die Reiter „Legende“ oben links.

Hinweis: Zukünftig sollen im Geoportal auch noch Daten zur Fließgeschwindigkeit und der Fließrichtung in den jeweiligen Szenarien hinterlegt werden. Sobald diese abrufbar sind, wird eine entsprechender Hinweis auf dieser Seite erfolgen.

Erläuterung zu den Überflutungstiefen in den Starkregengefahrenkarten

In den Starkregengefahrenkarten werden die Überflutungstiefen in Zentimeter Höhe in drei Abstufungen dargestellt:

Erläuterung zu den Überflutungstiefen in den Starkregengefahrenkarten
Erläuterung zu den Überflutungstiefen in den Starkregengefahrenkarten

Innerhalb dieser Stufen ergeben sich folgende potentielle Gefahren für die menschliche Gesundheit sowie Infrastruktur und Objekte (aus der Arbeitshilfe „Kommunales Starkregenrisikomanagement“ des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen):

Erläuterung zu den Überflutungstiefen in den Starkregengefahrenkarten
Erläuterung zu den Überflutungstiefen in den Starkregengefahrenkarten

Folgende Darstellung verdeutlicht die Überflutungstiefen:

Erläuterung zu den Überflutungstiefen in den Starkregengefahrenkarten
Erläuterung zu den Überflutungstiefen in den Starkregengefahrenkarten

Hinweis: Parallel zu dem Auftrag der Stadt Löhne zur Erarbeitung einer Starkregengefahrenkarte, hat das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) ebenfalls eine flächendeckende Starkregenhinweiskarte für Nordrhein-Westfalen im Jahr 2021 veröffentlicht. Die Karte ist hier abrufbar. Die Karte des BKG ist als Ergänzung zu der detaillierten kommunalen Starkregengefahrenkarte zu sehen. Auch hier wurden die beiden vorab vorgestellten Szenarien aus der NRW-Arbeitshilfe verwendet und maximale Wasserstandshöhen sowie Fließgeschwindigkeiten berechnet. Bitte beachten Sie, dass das außergewöhnliche, 100-jährliche Ereignis hier als seltenes Ereignis bezeichnet wird.

Beratung und weitere Informationen

Die Ansprechpartner der Stadt Löhne stehen Ihnen gerne zu Fragen rund um die Starkregengefahrenkarten sowie für allgemeine Rückfragen zur Verfügung. Die Stadt Löhne kann jedoch keine individuelle Einzelfallberatung vor Ort leisten. Greifen Sie stattdessen auf qualifiziertes Fachpersonal zurück.

Beispielsweise bietet das HochwasserKompetenzCentrum e.V. die Möglichkeit, mit einem „Hochwasser-Pass“ Wissenslücken bezüglich der individuellen Hochwasser- und Starkregenrisiken zu schließen. Sie erhalten von geschulten Sachkundigen Hinweise und Anleitungen zur Eigenvorsorge. Der Hochwasser-Pass schließt dabei Überflutungsgefahren mit unterschiedlichen Hintergründen ein: Neben Starkregen ist auch Flusshochwasser, Kanalrückstau und Grundhochwasser inkludiert. Weiterführende Informationen sowie eine Liste der Sachverständigen in Nordrhein-Westfalen finden Sie hier.

Auch die Verbraucherzentrale NRW bietet Informationen und Schulungen zum Themenkomplex an. Hier finden Sie Beratung zu Vorbeugung, Maßnahmen und Versicherungsschutz bei wetterbedingten Schäden sowie die Möglichkeit Online-Seminare zu belegen.

Das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen hat zudem eine Sammlung von Videos zusammengestellt, in denen Starkregenvorsorge in bewegten Bildern erläutert wird. Die Filme wurden von verschiedenen Fachbehörden bzw. Organisationen erstellt und veröffentlicht. Die Übersicht über die Videos finden Sie hier.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Veröffentlichungen dazu, wie Sie ihr Gebäude gegen Überflutungen sichern können. Nachfolgend finden sie eine kurze Auswahl von Broschüren:

Kurzbroschüre der Verbraucherzentrale NRW “Alles klar bei Starkregen« (August 2017)

Hochwasserschutzfibel des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen “Objektschutz und bauliche Vorsorge“ (Februar 2022)

Bürgerbroschüre des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung “Leitfaden Starkregen - Objektschutz und bauliche Vorsorge“ (November 2018)

Handbuch des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe “Die unterschätzten Risiken Starkregen und Sturzfluten“ (Dezember 2015)

Verhaltensregeln bei Starkregen- und Hochwassergefahr

Verhalten im Vorfeld einer zu erwartenden Überflutung

  • Lagern Sie keine hohen Sachwerte und keine wichtigen Dokumente in überflutungsgefährdeten Räumen.
  • Lagern Sie gesundheits-, wasser- und umweltgefährliche Stoffe (z.B. Waschmittel, Altöle, Farben) an einem sicheren und trockenen Ort.
  • Dichten Sie ungesicherte Bereiche im drohenden Ereignisfall ggf. mit Sandsäcken an Türen und Fenstern.
  • Prüfen Sie Ihren Versicherungsschutz.
  • Halten Sie Dachrinnen und Fallrohre frei, damit Niederschläge ungehindert abfließen können und gestautes Wasser keine Schäden am Haus hinterlässt.
  • Sorgen Sie dafür, dass Strom und Heizung in überflutungsgefährdeten Räumen und Gebäudeteilen abgeschaltet sind (Stromschlaggefahr!).

Verhalten im Falle einer Überflutung

  • Ruhe bewahren und raus aus der Gefahrenzone!
  • Verlassen Sie tiefer gelegene Räume wie Keller, Souterrainwohnung und Tiefgaragen – es besteht die Gefahr des Ertrinkens und von Stromschlägen. Betreten Sie auch keine Räume oder Bereiche, in denen das Wasser bereits hineingelaufen ist – Türen lassen sich häufig durch den hohen Wasserdruck nicht mehr öffnen!
  • Meiden Sie überflutete Straßen, Uferbereiche sowie Unterführungen, Tunnel und sonstige tiefer liegende Bereiche. Es besteht Lebensgefahr, da sich unter der Wasseroberfläche offene Schachtabdeckungen und Strömungen befinden können.
  • Suchen Sie geschützte Räumlichkeiten in Ihrer direkten Umgebung auf und machen Sie keine Umwege – die Strömung kann extreme Kräfte entwickeln und dabei Menschen und Gegenstände mitreißen.
  • Menschenrettung geht vor der Erhaltung von Sachwerten. Aber: keine Rettungsversuche ohne Eigensicherung. Rufen Sie Hilfe!
  • Soweit möglich, bringen Sie hilfebedürftige Personen außerhalb des akut bedrohten Bereiches in Sicherheit. Denken Sie auch an Nutz- und Haustiere.
  • Verfolgen Sie die aktuelle Wetter- und Gefahrenlage über Radio, Internet oder andere Medien und geben Sie Informationen an Familie, Nachbarn und Freunde weiter.
  • Stimmen Sie eigene Schutzmaßnahmen mit den Nachbarn und den behördlichen Maßnahmen ab und stellen Sie Ihre Ressourcen (z.B. Tauchpumpe) zur Verfügung.
  • Machen Sie die Einsatzkräfte auf Verletze aufmerksam und leisten Sie selbst Erste Hilfe.
  • Achten Sie auf Durchsagen von Polizei und Feuerwehr. Behindern Sie die Einsatzkräfte nicht und folgen Sie deren Anweisungen.

Verhalten nach einer Überflutung

  • Tragen Sie Gummistiefel und -handschuhe (Verletzungsgefahr, Keimbelastung).
  • Dokumentieren Sie die Schäden und den Wasserstand für die Versicherung.
  • Verständigen Sie ihre Versicherung und lassen Sie Reparaturen in Abstimmung mit dieser von einem Fachbetrieb ausführen.
  • Trocknen Sie betroffene Bereich möglichst schnell, um Bauschäden, Schimmelpilz- oder Schädlingsbefall entgegen zu wirken.
  • Lassen Sie Schäden am Gebäude (insb. der Statik), an Öltanks, der Elektroinstallation und Heizungen von Fachbetrieben prüfen.

Wichtige Notruf- und Servicenummern bei Starkregen, Überflutungen und Kanalrückstau

  • Bei akuter Gefahr (Personen-/Umweltschäden): Feuerwehr - 112
  • Bei Verstopfungen in Kanälen, Straßenabläufen und Verrohrungen: Stadtwerke Löhne - 05732/975-575
  • Bei Problemen und Verstopfungen von Gewässern und Gräben: Stadt Löhne, Ralf Isemann - 05732/100-409
  • Bei Umweltschäden außen und in Gebäuden: Kreis Herford, Wasser-/Abfallwirtschaft und Immissionsschutz -  05221/130
  • Bei Störungen der Strom-, Wasser-, Gas- und Fernwärmeversorgung wenden Sie sich bitte an Ihren jeweiligen Netzbetreiber.
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